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Vom Labor in die Produktion: Die fünf kritischen Herausforderungen beim Biotech Scale-up

Gute Wissenschaft reicht nicht. Wer einen biologischen Prozess vom Labor- in den industriellen Maßstab bringen will, begegnet fünf Herausforderungsclustern, die gleichzeitig (technisch, kommerziell und operativ) gelöst werden müssen. Woran das in der Praxis scheitert und wie der Übergang gelingt.

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Entourage Redaktion

Die Wissenschaft ist oft hervorragend. Aber einen biologischen Prozess zu skalieren, einen Business Case unter Investorenbedingungen zu verteidigen, gegen Commodity-Produzenten zu bestehen und gleichzeitig Marktvertrauen aufzubauen: das sind die eigentlichen Herausforderungen. Technische Exzellenz allein genügt nicht. Business, Prozess und Markt müssen gleichzeitig zusammenpassen.

Business-Case-Stabilität unter Investorendruck

Investoren-Decks, die auf optimistischen Ausbeute-Annahmen aus dem Labormaßstab aufbauen, wirken überzeugend in der Finanzierungsrunde und werden zur Belastung beim Scale-up. Prozessparameter, die bei 2-Liter-Fermentern stabil sind, verhalten sich im kubisch-metrischen Maßstab fundamental anders: Sauerstofftransfer, Scherkräfte, Temperaturgradienten. Wenn Titer-Projektionen aus dem Laborprotokoll auf Pilotanlagen nicht reproduziert werden können, entsteht eine Lücke zwischen der kommunizierten Roadmap und der operativen Realität, genau der Punkt, an dem Investorenvertrauen erodiert.

Das Grundproblem ist die Trennung von R&D und Finanzmodell. Wenn beide Seiten mit unterschiedlichen Ausbeute-Annahmen und CAPEX-Kalkulationen operieren, werden strategische Entscheidungen auf Basis nicht abgestimmter Daten getroffen.

Prozessübertragung und Skalierungsrisiken

Der Maßstabssprung ist nicht linear. Physikalische Phänomene, die im Labormaßstab vernachlässigbar sind, werden im Pilotmaßstab zu dominanten Prozessvariablen. kLa-Werte, die im kleinen Bioreaktor einfach zu erzielen sind, erfordern beim Scale-up deutlich mehr Aufwand. Dissolved-Oxygen-Gradienten beeinträchtigen die Produktivität. Agitation, die für eine gute Durchmischung notwendig ist, kann die Scherkrafttoleranz empfindlicher Organismen überschreiten.

Dazu kommt die Comparability-Frage nach ICH Q5E: Wer den Nachweis, dass das hochskalierte Material dem klinischen Referenzmaterial vergleichbar ist, erst nach dem Maßstabssprung plant, riskiert, dass das neue Material regulatorisch als anderes Produkt eingestuft wird und die klinische Datenbasis nicht mehr trägt. Der Vergleichbarkeitsnachweis muss Teil der Scale-up-Strategie sein, nicht ihrer Nachbereitung.

Wettbewerb gegen etablierte Produzenten

Bio-basierte Produkte treten häufig in Märkte ein, die bereits von großen Industriegruppen oder petrochemischen Alternativen mit jahrzehntelanger Prozessoptimierung besetzt sind. Etablierte Hersteller haben amortisiertes Equipment, optimierte Prozesse und bestehende Kundenbeziehungen. Start-ups starten ohne diese Voraussetzungen.

Bei vielen bio-basierten Molekülen setzt der Preis des petrochemischen Äquivalents die Preisobergrenze. Fällt der Ölpreis, schwächt sich der wirtschaftliche Vorteil bio-basierter Produkte ab, unabhängig von der Prozesseffizienz. Wenn die Rohmarge von Beginn an unter Druck steht, verlängert sich der Weg zur Cashflow-Rentabilität, was zukünftige Finanzierungsrunden unter ungünstigeren Bedingungen erschwert.

Rohstoffabhängigkeiten

Biologische Produktionsprozesse sind auf landwirtschaftliche Rohstoffe angewiesen, deren Preis, Verfügbarkeit und Qualität erheblich schwanken können. Commodity-Agrarmärkte reagieren auf Wetterereignisse, Handelspolitik und Konkurrenznutzung. Biotech-Start-ups verfügen häufig nicht über die Einkaufsmacht, um langfristige Lieferverträge zu günstigen Konditionen zu sichern.

Für Prozesse, die auf landwirtschaftlichen Nebenprodukten basieren, übersetzt sich Variabilität in der Zusammensetzung des Substrats direkt in Prozessvariabilität und Ausbeute-Unsicherheit. Rohstoffrisiko ist kein externer Faktor, sondern ein integraler Bestandteil des Prozessdesigns.

Marktvertrauen aufbauen

Ein technisch überlegenes bio-basiertes Produkt, dem Marktakzeptanz fehlt, generiert keinen Umsatz. Nachhaltigkeitsansprüche werden mit zunehmendem Aufwand geprüft. Beschaffungsteams großer Industrieunternehmen verlangen validierte Leistungsdaten, bevor sie einen Wechsel von konventionellen Alternativen in Betracht ziehen.

Das Scale-Trust-Paradox ist das grundlegende Problem: Kunden verlangen die Zusicherung stabiler Lieferfähigkeit in Produktionsmengen, bevor sie sich binden. Scale erfordert aber Kunden. Dieses Henne-Ei-Problem lässt sich nicht durch Überzeugung lösen, sondern durch eine Validierungsstrategie, die den kommerziellen Track Record schrittweise aufbaut: Pilotprogramme, technische Qualifizierung beim Kunden, regulatorische Positionierung, bevor der Hauptvertrag unterzeichnet wird.


Die fünf Herausforderungscluster sind nicht sequenziell, sondern treten gleichzeitig auf. Eine Lösung, die auf der technischen Seite überzeugt, aber das Marktvertrauen vernachlässigt, kommt genauso früh zum Stillstand wie eine, die den Business Case stabilisiert, aber die Prozessübertragung unterschätzt. Scale-up gelingt, wenn alle Dimensionen integriert bearbeitet werden.

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Berücksichtigte Verordnungen & Normen

  • ICH Q5E (Vergleichbarkeit biotechnologischer/biologischer Produkte nach Herstellungsänderungen)
  • ICH Q8 (Pharmaceutical Development)
  • ICH Q10 (Pharmaceutical Quality System)
  • EU-GMP-Leitfaden Annex 15 (Qualifizierung und Validierung)
  • FDA Guidance on Process Validation: General Principles and Practices (2011)
Quellen
  • ICH Q5E: Comparability of Biotechnological/Biological Products Subject to Changes in their Manufacturing Process
  • FDA Guidance for Industry, Process Validation: General Principles and Practices (Januar 2011)
  • IQVIA Institute, Global Oncology Trends 2024: Biologic pipeline and competition analysis
  • Entourage, labtoscale.theentourage.de (Ursprungsquelle, Stand April 2026)

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