Home Office in Pharma: wie es nach COVID weitergeht.

Home Office in der Pharmaindustrie wird auch nach der Pandemie erhalten bleiben. Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Regelungen der Big Player der Branche.

Nachdem die COVID-19 Pandemie in den Köpfen der Menschen im Sommer mit niedrigen Fallzahlen und verfügbarer Impfung bereits beinahe überwunden schien, hat das Virus Deutschland in diesem Winter wieder fest im Griff. Auch in anderen Ländern steigen die Ansteckungszahlen wieder rapide an. Das liegt unter anderem an der nachlassenden Impfwirkung in der Verbindung mit der Delta Variante, die eine Booster Impfung nach fünf bis sechs Monaten erforderlich macht, an der doch immer noch relativ hohen Zahl an Ungeimpften und dem Auftreten neuer Virusvarianten wie Omikron. Home Office ist derzeit also für Angestellte in fast allen Branchen die sicherste Lösung.

Das Leben nach der Pandemie.

Auch wenn es derzeit noch in weiter Ferne scheint, kann man bereits jetzt einen Ausblick wagen, wie das Leben nach der Pandemie aussehen wird. Tatsache ist, dass der Lebensstil vor der Pandemie nicht wieder herstellbar ist. Zumindest nicht so, wie wir es bis dahin gewohnt waren. Das Virus hat uns gezwungen, unsere Komfortzone zu verlassen und uns an eine neue „Normalität“ anzupassen.

Herausforderung Home Office in Pharma.

Die Pharmaindustrie steht vor einer doppelten Herausforderung. Einerseits müssen die Unternehmen die Verbreitung des Virus verhindern, um die körperliche und geistige Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen. Andererseits ist die pharmazeutische Produktion wesentlich strengeren Bedingungen unterworfen, um Medikamente rechtzeitig und in der richtigen Qualität zu liefern. Führungskräfte in der Pharmaindustrie müssen sich mit diesem Spagat permanent auseinandersetzen, um das Dilemma zu lösen.

Eine der wichtigsten Entscheidungen ist, ob und wie die zu Beginn der Pandemie eingeführte Home Office Regelung weitergeführt werden soll.

Nach den Recherchen des Autors tendiert die Pharmaindustrie zu einem Hybridmodell, bei dem die Mitarbeiter im Homeoffice bleiben, aber bei Bedarf ins Büro zurückkehren können. Hybrides Arbeiten ermöglicht ein flexibleres Arbeiten, wobei die Bedeutung des Büros als Ort der Zusammenarbeit und der persönlichen Interaktion erhalten bleibt. Allerdings gilt dies nicht für alle Bereiche: Die Produktions- und Labortätigkeiten sind nicht von allen Regelungen betroffen, da diese Tätigkeiten nicht von zu Hause aus gesteuert und kontrolliert werden können.

Zukünftige Varianten der Vereinbarungen über Home Office in Pharma*:

Home office pharma
*basierend auf Recherchen des Autors

Reglungen für Home Office in Pharma.

Bayer: „Etwa 40 % der Bayer-Belegschaft in Deutschland haben während der Pandemie aus der Ferne gearbeitet. Für diese Mitarbeiter hat Bayer ab dem vergangenen Sommer ‚schrittweise‘ eine Rückkehr ins Büro organisiert, wobei jedoch nur maximal 40 % der Arbeitsplätze besetzt werden dürfen.“

Roche: „Die Mitarbeiter haben die Möglichkeit, 2-3 Home-Office-Tage zu absolvieren, während der Rest im Büro verbracht wird.“

Merck: „Das Darmstädter Pharmaunternehmen bezeichnet sich selbst als Pionier des mobilen Arbeitens. Dies hat sich bereits bei der ersten Schließung im Frühjahr 2020 äußerst positiv ausgewirkt. Gleichzeitig läuft die Arbeit in der Produktion und in den Laboren die ganze Zeit vor Ort weiter.“

Sanofi: „Sanofi setzt auf ein hybrides Modell mit einer Tendenz zur Arbeit vor Ort. Mobiles Arbeiten war schon vor der Pandemie möglich. Es war jedoch nicht die übliche Praxis. Auch wenn Home-Office gut funktioniert hat, war die Zeit gekommen, in der der direkte Austausch vor Ort wieder gewünscht und angestrebt wurde.“

Boehringer Ingelheim: „Mitarbeiter, die ihre Arbeit auch von zu Hause aus gut erledigen können, werden weiterhin im Home Office arbeiten. Sie können nach Beendigung der Home-Office-Verpflichtung ins Büro zurückkehren, müssen dies aber immer eng mit ihrem Vorgesetzten abstimmen. Außerdem ist die Anzahl der Personen, die sich gleichzeitig am Standort aufhalten dürfen, weiterhin begrenzt.“

AbbVie, AstraZeneca, J&J und Bristol Myers Squibb: „Durchführung eines ’stufenweisen Ansatzes‘ für die Rückkehr von Mitarbeitern ins Büro.“

GlaxoSmithKline: „GSK rät denjenigen, die von zu Hause aus arbeiten können, dies auch weiterhin zu tun. Jegliche Änderung dieser Anleitung wird schrittweise erfolgen, in Übereinstimmung mit den lokalen Gesundheitsrichtlinien und den länderspezifischen Regierungsvorschriften.“

Novartis: „Künftig sollen die Mitarbeitenden in Absprache mit ihren Vorgesetzten entscheiden können, ob sie ins Büro zurückkehren, Teilzeit oder ganz zu Hause arbeiten wollen. Novartis nennt dieses Modell ‚Choice with responsibility‘.“

Amgen: „Amgen bietet seinen 24.000 Mitarbeitern die Möglichkeit, in ihrem Home Office zu arbeiten. Die Mitarbeiter können ihre Arbeitsweise frei wählen, so dass jeder seinen idealen Arbeitsplatz finden kann. Forschungs- und Laborarbeit kann bis zu einem gewissen Grad auch aus der Ferne erledigt werden, natürlich mit einem ausgeklügelten System dahinter. Die Produktionsarbeit wird derzeit (noch) von Mitarbeitern erledigt, die nicht von zu Hause aus arbeiten können. Aber auch daran soll gearbeitet werden. Eine Möglichkeit wäre ein Automatisierungssystem für die Produktion, das von den Mitarbeitern aus der Ferne gesteuert werden kann.“

Eli Lilli: „Eli Lilli hat sich bereits das Ziel gesetzt, bis Anfang Juni 2021 ein Viertel der Mitarbeiter wieder ins Büro zu bekommen. Sollte sich die Pandemie-Situation wieder verschlechtern, würden sie die Notbremse ziehen, aber das Ziel ist es, so weit wie möglich zum Büroalltag zurückzukehren. Wenn Mitarbeiter aus persönlichen Gründen nicht ins Büro kommen können, können sie von zu Hause aus arbeiten. Außerdem sind nicht alle Arbeitnehmer gleich eingestuft. Das bedeutet, dass einige Mitarbeiter je nach Aufgabe mehr Zeit im Büro verbringen können als andere.“

B. Braun: „B. Braun hat kürzlich eine neue Betriebsvereinbarung eingeführt, die seit Juli 2021 in Kraft ist. Sie heißt „flexibles und mobiles Arbeiten“ und regelt sowohl die Bürozeiten als auch die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten.“

Home Office in Pharma. Zusammenfassung.

Covid-19 ist in erster Linie eine humanitäre Krise, und die Rolle, die pharmazeutische Unternehmen in dieser Krise spielen, ist wesentlich und entscheidend. Als Reaktion auf die Krise sollten die Führungskräfte der Pharmaindustrie die Situation beobachten und schnell handeln, um sich besser auf die Zeit nach Covid vorzubereiten.
Literatur.

  1. Liu (2020): 2021 forecast: ‚We will not return to the old ways of working‘: Drug makers weigh in on returning to work, post-COVID-19 life, abrufbar unter: https://www.fiercepharma.com/pharma/we-will-not-return-to-old-ways-working-drugmakers-weigh-returning-to-work-post-covid-life, Abrufdatum, 12.10.21
  2. Hessenschau (2021): Viele hessische Unternehmen wollen hybrid arbeiten, erreichbar unter:
    https://www.hessenschau.de/wirtschaft/ende-der-homeoffice-pflicht-viele-hessische-unternehmen-wollen-hybrid-arbeiten,testpflicht-ende-100.html
    , Abrufdatum 12.10.21
  3. SWR (2021): So gehen Arbeitgeber in Rheinland-Pfalz jetzt mit dem Homeoffice um, abrufbar unter:
    https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/homeofficepflicht-endet-100.html
    , Abrufdatum: 12.10.21
  4. .Reidel (2021): Novartis bietet Home Office für immer an https://www.horizont.net/schweiz/nachrichten/new-work-novartis-bietet-home-office-fuer-immer-an-184532, Abrufdatum: 12.10.21
  5. HNA (2021): Homeoffice-Pflicht endet – Erfahrungen von Arbeitgebern im Altkreis Melsungen, https://www.hna.de/lokales/melsungen/melsungen-ort45520/wir-gefuehl-entsteht-langsamer-90843166.html, Abrufdatum: 12.10.21
  6. ePharmaInsider (2021): Office-Comeback in der Pharmabranche zu erwarten? https://www.epharmainsider.com/office-comeback-in-der-pharmabranche-zu-erwarten/, Abrufdatum: 12.10.21

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Beike Lu

Management Consultant

Beike Lu studierte Elektro- und Informationstechnik auf Bachelor und Master an der Technischen Universität München.
Während seiner beruflichen Laufbahn sammelte Herr Lu Erfahrung in Bereichen Business Intelligence, Datenanalyse und Maschinelles Lernen. Seine Kenntnisse konnte er unter anderem in Projekten wie der Entwicklung eines Deep Neural Networks für ein Empfehlungssystem, der Digitalisierung einer Forschungs- und Entwicklungsabteilung und der Entwicklung von Business Intelligence für Supply Chain erweitern und vertiefen. Zu seinen Kernkompetenzen zählen Big Data, Machine Learning, Process Mining und Data Analytics.
Beike Lu unterstützt Entourage als Management Consultant.

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