FDA-Meetings und EMA Scientific Advice: welche Uhr für welche Frage läuft
Seit dem 13. August 2026 liegt die FDA-Guidance zu formellen Meetings mit Sponsoren von PDUFA-Produkten in der Endfassung vor. Sie nennt sechs Meeting-Typen, und an jedem hängt eine andere Uhr: 14 oder 21 Tage bis zur Antwort auf den Antrag, 30 bis 75 Tage bis zum Termin, das Meeting Package je nach Typ schon mit dem Antrag oder 30, 47 oder 50 Tage vor dem Termin. Die EMA entscheidet an Tag 30 ihres Verfahrens, ob der Scientific Advice nach 40 oder nach 70 Tagen kommt. Dieser Beitrag legt beide Uhren nebeneinander.
Entourage Redaktion
Kurz gefasst
Die sechs FDA-Meeting-Typen (Type A, B, B (EOP), C, D, INTERACT) mit den Fristen aus der Guidance vom August 2026: Antwort auf den Antrag, Terminierung, Meeting Package, vorläufige Antworten, Protokoll und Klärungsfragen. Die Abgrenzung zwischen Type D und Type C, das INTERACT-Fenster vor dem Pre-IND-Meeting, die Regel, wann die FDA eine schriftliche Antwort statt eines Meetings gewährt, und die Grenze von zehn Fragen. Daneben das EMA-Verfahren nach Art. 57 Abs. 1 Buchst. n der Verordnung (EG) Nr. 726/2004 mit Planungsphase, Validierung und der Entscheidung zwischen 40- und 70-Tage-Verfahren an Tag 30.
Ein Behördengespräch beginnt mit einer Kalenderrechnung. Wer ein End-of-Phase-2-Meeting bei der FDA will, reicht das Meeting Package spätestens 50 Tage vor dem Termin ein; wer eine schriftliche Antwort auf eine Type-D-Frage sucht, schickt es gleich mit dem Antrag. Bei der EMA fällt die Entscheidung über 40 oder 70 Tage an Tag 30 des Verfahrens, und die Planungsphase davor dauert noch einmal 20 bis 45 Tage.
Dieser Beitrag geht die Fristen beider Behörden am Text entlang: die FDA-Guidance zu formellen Meetings in der Endfassung vom August 2026 und den EMA-Leitfaden für Antragsteller in der Revision 16.
Welche sechs Meeting-Typen die FDA seit August 2026 unterscheidet
Die Guidance „Formal Meetings Between the FDA and Sponsors or Applicants of PDUFA Products" ist seit dem 13. August 2026 final (91 FR 52305). Sie ersetzt den Entwurf vom 22. September 2023 und gilt für Arzneimittel und Biologika im Zuständigkeitsbereich von CDER und CBER. Nicht erfasst sind nach Abschnitt I Generika-Anträge, Biosimilar-Anträge einschließlich austauschbarer Biosimilars und Medizinprodukte-Einreichungen; Fußnote 4 nimmt Meetings mit dem Office of Generic Drugs, dem Office of Compliance und dem Office of Prescription Drug Promotion aus.
Abschnitt III zählt sechs Typen auf. Der Federal-Register-Text nennt als Änderungen gegenüber dem Entwurf zusätzliche Szenarien für Type D, eine Klarstellung zu INTERACT und neue Angaben dazu, welche Formate die FDA gewähren darf. Die Typen selbst waren schon im Entwurf und im PDUFA-VII-Rahmen angelegt.
| Typ | Wofür (Guidance Abschnitt III) |
|---|---|
| Type A | Programm steht still oder wichtige Sicherheitsfrage: Streitbeilegung nach 21 CFR 10.75, 312.48, 314.103; Clinical-Hold-Meetings; Meeting nach einem Nonagreement-Letter zum Special Protocol Assessment; Post-Action-Meeting binnen 3 Monaten nach einer anderen Entscheidung als der Zulassung, etwa einem Complete Response Letter; Meeting binnen 30 Tagen nach einem Refuse-to-File-Letter (Pflicht vor einem File over Protest, 21 CFR 314.101(a)(3)) |
| Type B | Pre-IND; Pre-Emergency-Use-Authorization; Pre-NDA, Pre-sNDA, Pre-BLA, Pre-sBLA (21 CFR 312.47); Post-Action-Meeting später als 3 Monate nach der Entscheidung; REMS und Postmarketing Requirements außerhalb eines laufenden Zulassungsverfahrens; Programm-Meetings für Breakthrough-Therapy- und RMAT-Produkte |
| Type B (EOP) | bestimmte End-of-Phase-1-Meetings (Produkte unter 21 CFR Part 312 Subpart E oder Part 314 Subpart H) und End-of-Phase-2-Meetings (21 CFR 312.47) |
| Type C | Auffangtyp: jedes Meeting zur Entwicklung oder Prüfung eines Produkts, das keinem anderen Typ zugeordnet ist, einschließlich der frühen Konsultation zu einem Biomarker als neuem Surrogatendpunkt und der Rückmeldung zum Labeling nicht verschreibungspflichtiger Arzneimittel |
| Type D | eng umrissene Fragen an Entscheidungspunkten: oft ein, typischerweise nicht mehr als zwei Themen, höchstens drei Disziplinen oder Divisions |
| INTERACT | neuartige Produkte und Programme mit besonderen Hürden in der Frühphase; Fragen, die vor einem Pre-IND-Meeting zu klären sind |
Zwei Regeln aus Abschnitt VI gehören zu dieser Tabelle. Type-B- und Type-B-(EOP)-Anträge werden gewährt, wenn der Antragsteller im passenden Entwicklungsstadium ist; ein EOP2-Antrag, der ankündigt, dass die Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten der Phase 2 im Briefing Document fehlen werden, wird nach dem Text der Guidance wahrscheinlich abgelehnt.
Und die FDA gewährt in der Regel nur ein Meeting je Type-B-Art pro Antrag oder pro Gruppe eng verwandter Produkte. Ausnahmen sind Breakthrough-Therapy- und RMAT-Produkte sowie unverbundene Fragestellungen, etwa ein getrenntes Meeting zur Herstellung, wenn deren Zeitplan vom klinischen abweicht.
Welche Fristen an welchem Typ hängen
Die Guidance verteilt die Fristen auf vier Tabellen und den Appendix. Alle Angaben sind Kalendertage und Verfahrensziele der FDA aus dem PDUFA-VII-Commitment-Letter für die Haushaltsjahre 2023 bis 2027, keine Rechtsfristen; die Guidance selbst sagt in Abschnitt I, dass ihre Empfehlungen keine rechtlich durchsetzbaren Pflichten begründen.
| Typ | Antwort der FDA auf den Antrag (Tab. 1) | Termin oder schriftliche Antwort (Tab. 2) | Eingang des Meeting Package (Tab. 4) | Vorläufige Antworten der FDA (Abschn. VIII) |
|---|---|---|---|---|
| Type A | 14 Tage | 30 Tage | mit dem Antrag | spätestens 2 Tage vor dem Meeting |
| Type B | 21 Tage | 60 Tage | spätestens 30 Tage vor dem Termin | spätestens 2 Tage vor dem Meeting |
| Type B (EOP) | 14 Tage | 70 Tage | spätestens 50 Tage vor dem Termin | spätestens 5 Tage vor dem Meeting |
| Type C | 21 Tage | 75 Tage | spätestens 47 Tage vor dem Termin; bei der Surrogatendpunkt-Konsultation mit dem Antrag | spätestens 5 Tage vor dem Meeting |
| Type D | 14 Tage | 50 Tage | mit dem Antrag | spätestens 5 Tage vor dem Meeting |
| INTERACT | 21 Tage | 75 Tage | mit dem Antrag | spätestens 5 Tage vor dem Meeting |
Für Type B (EOP), Type C, Type D und INTERACT gilt nach Abschnitt VIII eine Gegenfrist: Der Antragsteller teilt der FDA spätestens 3 Kalendertage nach Erhalt der vorläufigen Antworten mit, ob das Meeting noch gebraucht wird, und schickt dann eine überarbeitete Agenda, die erledigte und noch zu besprechende Fragen trennt. Bei Type A und Type B gilt „so bald wie möglich".
Ein Meeting, das danach abgesagt wird, ist nicht verloren: Die vorläufigen Antworten werden zu den finalen Antworten und zum offiziellen Protokoll.
Zwei Fußnoten der Tabelle 4 verschieben die Paketfrist, wenn die FDA früh terminiert. Liegt der Termin eines Type-B-(EOP)-Meetings früher als 70 Tage nach Eingang des Antrags, ist das Package frühestens 6 Kalendertage nach Ablauf der 14-Tage-Antwortfrist fällig; bei Type C unter 75 Tagen frühestens 7 Tage nach Ablauf der 21-Tage-Frist. Wünscht der Antragsteller einen Termin jenseits des PDUFA-Fensters, soll die FDA binnen 14 Kalendertagen um diesen Wunschtermin herum terminieren (Abschnitt VI.B).
Nach dem Meeting läuft die Uhr weiter. Die FDA stellt das finale Protokoll binnen 30 Kalendertagen nach dem Meeting zu; bei INTERACT werden die vorläufigen Antworten binnen 30 Tagen annotiert und erneut versandt, falls sich der Rat im Gespräch geändert hat. Bei einer schriftlichen Antwort ist diese selbst das Protokoll.
Klärungsfragen zum Protokoll oder zur schriftlichen Antwort gehen als „Request for Clarification" binnen 20 Kalendertagen nach Erhalt an die FDA, die ihrerseits binnen 20 Kalendertagen antwortet. Neue Fragen oder neue Vorschläge sind darin nicht zulässig und führen zu einem neuen Antrag.
Type D oder Type C: wo die Grenze liegt
Type D ist der Typ für die eine offene Frage nach einem Meeting, für die eng umrissene Frage mit wenigen Unterfragen und für die allgemeine Frage zu einem innovativen Entwicklungsansatz, die keine ausführliche Beratung braucht. Die Guidance zieht die Grenze an zwei Zahlen: höchstens zwei fokussierte Themen, und die Themen dürfen Input aus nicht mehr als drei Disziplinen oder Divisions erfordern. Als Beispiel für den Fragenumfang nennt sie drei bis fünf Fragen insgesamt.
Wer mehr als zwei Themen hat oder ein einzelnes, hochkomplexes Thema mit vielen Fragen, soll nach dem Text ein Type-C-Meeting beantragen. Mehrere Type-D-Anträge in zeitlicher Nähe statt eines Type-B- oder Type-C-Meetings sind ausdrücklich nicht gewollt.
Ist der Umfang trotzdem breit, braucht die Anfrage mehr als drei Disziplinen, eine zentrumsübergreifende Antwort oder zusätzliche regulatorische Prüfung, teilt die FDA mit, dass sie das Meeting in Type B oder Type C umwandelt. Der Antragsteller kann den Antrag zurückziehen oder die Umwandlung annehmen, ohne neu einzureichen.
Die Beispiele in Abschnitt III.E zeigen, wofür der Typ gedacht ist: eine spezifische Frage zu einem Aspekt eines komplexen oder innovativen Studiendesigns, eine Frage zur Datenpräsentation nach einem Pre-BLA- oder Pre-NDA-Meeting, eine Folgefrage zu einem neuen Punkt aus einem früheren Gespräch, eine Frage zu einem einzelnen Element eines schon besprochenen Phase-3-Designs.
Dazu kommen Fragen zu einem nichtklinischen Protokoll nach dem Pre-IND-Meeting und die Klärung weniger Kommentare aus einem Meeting, das mehr als 20 Kalendertage zurückliegt. Der Nutzen liegt in der Uhr: 14 Tage bis zur Antwort auf den Antrag und 50 Tage bis zum Termin, statt 21 und 75 bei Type C.
INTERACT: das Fenster vor dem Pre-IND-Meeting
INTERACT steht für „Initial Targeted Engagement for Regulatory Advice on CDER and CBER ProducTs" und ist nach Abschnitt III.F für neuartige Produkte und Programme gedacht, bei denen eine frühe Frage sonst die erste Anwendung am Menschen verzögern würde. Die Guidance nennt als Beispiele die Wahl nichtklinischer Modelle und das Design IND-ermöglichender Toxikologiestudien für neue Plattformen, Fragen zu komplexen Herstellungstechnologien, Teststrategien zur Produktsicherheit vor einem First-in-Human-Trial, innovative Devices in Kombination mit einem Arzneimittel und den Einsatz von New Approach Methodologies.
Das Fenster ist schmal. INTERACT-Meetings finden typischerweise vor einem Pre-IND-Meeting statt; wer schon ein Pre-IND-Meeting hatte oder ein IND eingereicht hat, ist nach dem Text beim falschen Typ. Verlangt wird außerdem, dass der Antragsteller ein konkretes Prüfprodukt oder eine Ableitungsstrategie ausgewählt hat, bevor er den Antrag stellt. Und INTERACT beantwortet Fragen, zu denen es noch keine Guidance oder andere schriftliche FDA-Information gibt; für alles andere verweist die Guidance auf die vorhandenen Quellen.
Die Uhr ist dieselbe wie bei Type C: 21 Tage bis zur Antwort, 75 Tage bis zum Termin, Meeting Package mit dem Antrag, vorläufige Antworten 5 Tage vorher. Was sich unterscheidet, ist die Nachbereitung: Statt eines Protokolls annotiert die FDA ihre vorläufigen Antworten und versendet sie binnen 30 Tagen erneut, falls sich der Rat im Gespräch geändert hat.
Schriftliche Antwort statt Meeting: wer das entscheidet
Abschnitt IV kennt vier Formate: hybrid in Person, virtuell mit Kamera, Telefonkonferenz und Written Response Only. Der Antragsteller kann jedes Format für jeden Typ beantragen, aber die FDA legt Typ und Format fest.
Tabelle 3 teilt die Typen in zwei Gruppen. Bei Type A, Type B außer Pre-IND und Type B (EOP) gewährt die FDA eine schriftliche Antwort nur, wenn der Antragsteller sie beantragt hat. Beim Pre-IND-Meeting, bei Type C, Type D und INTERACT darf die FDA eine schriftliche Antwort gewähren, unabhängig davon, welches Format beantragt war.
Für diese zweite Gruppe nennt Abschnitt VI den Weg zurück zum Gespräch: Der Antragsteller kann in einem Folgeschreiben an die Division begründen, warum ein Meeting nötig ist, und die FDA prüft, ob sie das Format ändert. Die Fristen der schriftlichen Antwort sind nach Tabelle 2 dieselben wie für die Terminierung des entsprechenden Meeting-Typs.
Im Meeting selbst führt ein FDA-Mitarbeiter den Vorsitz, Ton- und Bildaufzeichnungen sind untersagt, und Präsentationen des Antragstellers sind nach Abschnitt X normalerweise unnötig, weil die Information im Meeting Package stehen soll. Enthält eine Präsentation mehr als geringfügig neues Material, das nicht im Package war, kann die FDA dazu keine Stellung nehmen. Die Zusammenfassung der Vereinbarungen am Ende übernimmt in der Regel der Antragsteller; die FDA ergänzt und nimmt die Punkte ins Protokoll auf.
Was den Antrag trägt: höchstens zehn Fragen
Abschnitt V verlangt im Antrag das Format, das Datum, an dem das Meeting Package kommt, eine kurze Darstellung von Zweck und Hintergrund mit einer Tabelle der wichtigsten Ergebnisse, eine Agenda mit Zeitansätzen, die Teilnehmerliste des Antragstellers samt Beratern und Dolmetschern und die gewünschten FDA-Teilnehmer. Dazu kommen Antragsnummer, Produktname, Struktur, der vorgeschlagene Zulassungsweg (505(b)(1), 505(b)(2), 351(a)), die Indikation, der Meeting-Typ, die erwarteten Ergebnisse, pädiatrische Pläne, Human-Factors-Plan, Angaben zum Kombinationsprodukt, Terminvorschläge und die Fragenliste.
Die Fragenliste ist nach dem Text einer der wichtigsten Teile des Antrags, weil die FDA daran die nötige Expertise und die Machbarkeit im Zeitfenster des Typs bemisst. Empfohlen sind höchstens zehn Fragen einschließlich Unterfragen, jede mit eigener Nummer und gruppiert nach Disziplin, mit einer kurzen Erklärung zu Kontext und Zweck. Wer zusätzliche FDA-Teilnehmer wünscht, die zur Beantwortung nicht nötig sind, soll das begründen und sagen, ob ein späterer Termin akzeptabel ist.
Das Meeting Package wiederholt die Angaben des Antrags und ergänzt nach Abschnitt VII.C die Entwicklungshistorie mit den bisherigen FDA-Kontakten, wesentliche Änderungen des Plans, den aktuellen Stand, die endgültigen Fragen und die Daten je Disziplin und Frage. Protokolle, vollständige Studienberichte und Rohdaten gehören nicht hinein; verlangt sind zusammengefasste Ergebnisse mit Quantifizierung, die Endpunkte und die Angabe, ob Endpunkte oder Analysen während der Studie geändert wurden.
Für ein EOP2-Meeting nennt die Guidance den Mindestinhalt: kontrollierte Studien zur Dosis-Wirkung, Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten der Phase 2, die geplanten Phase-3-Studien mit Population, Einschlusskriterien, Design, Begründung einer Nichtunterlegenheitsmarge, Dosierung, Endpunkten, Sicherheitsmonitoring und Analysen einschließlich Interimsanalysen und adaptiver Elemente.
Ein verspätetes oder grob unzureichendes Package ist nach Abschnitt IX ein Grund, das Meeting abzusagen; ein späterer Antrag gilt dann als neuer Antrag mit neuer Uhr. Eine Verschiebung dagegen braucht keinen neuen Antrag. Als Verschiebungsgründe nennt die Guidance unter anderem ein umfangreiches Package trotz fristgerechter Einreichung, nachgereichte Fragen oder Daten und den Ausfall unverzichtbarer Teilnehmer.
Und bei der EMA: 40 oder 70 Tage, entschieden an Tag 30
Rechtsgrundlage des Scientific Advice ist Art. 57 Abs. 1 Buchst. n der Verordnung (EG) Nr. 726/2004: Zu den Aufgaben der Agentur gehört die „Beratung von Unternehmen in Bezug auf die Durchführung der verschiedenen Tests und Versuche zum Nachweis der Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit von Arzneimitteln". Der EMA-Leitfaden EMA/4260/2001 Rev. 16 vom 26. März 2025 stellt klar, dass der Rat für alle Humanarzneimittel beantragt werden kann, unabhängig von der Eignung für das zentralisierte Verfahren.
Protocol Assistance ist die Form für Orphan-Arzneimittel nach Art. 6 der Verordnung (EG) Nr. 141/2000. Dort kommen Fragen zum Significant Benefit und zur Ähnlichkeit mit anderen Orphan-Arzneimitteln hinzu, über die neben dem CHMP auch das COMP befindet.
Das Verfahren hat nach Frage 24 des Leitfadens zwei Phasen. In der Planungsphase reicht der Antragsteller über IRIS einen Entwurf des Briefing Document ein, rund 45 Tage vor dem Start, wenn ein Vorbereitungstreffen gewünscht ist, rund 20 Tage ohne. Die Agentur prüft bisherige Verfahren, EPARs und frühere Beratungen, benennt Experten und schickt Kommentare; der Antragsteller überarbeitet, und etwa an Tag minus 5 wird das Paket validiert.
Mit Tag 0 beginnt die Bewertungsphase. An Tag 20 liegen die ersten Berichte der beiden Koordinatoren aus der Scientific Advice Working Party vor, an Tag 30 diskutiert die SAWP die strittigen Punkte und entscheidet, ob der Rat an Tag 40 angenommen werden kann oder ein Discussion Meeting nötig ist. Diese Entscheidung teilt die Agentur am Ende derselben SAWP-Sitzung mit; der Antragsteller soll seine Experten für den Zeitraum um Tag 60 vorhalten.
Ohne Meeting senden die Koordinatoren an Tag 33 ihren gemeinsamen Bericht, und das CHMP nimmt den Advice Letter an Tag 40 an. Mit Meeting findet das Gespräch um Tag 60 statt, der gemeinsame Bericht folgt an Tag 63 und der Advice Letter an Tag 70.
Wer eingeladen wird, bekommt eine Liste der Punkte, getrennt nach mündlich zu klärenden und vorab schriftlich zu beantwortenden Fragen, und darf eigene Punkte spätestens eine Woche vor dem Meeting nachreichen, sofern sie zum eingereichten Antrag gehören.
Das Protokoll läuft anders als bei der FDA. Der Antragsteller legt 2 Arbeitstage nach dem Discussion Meeting eigene Minutes vor; sie gelten als sein Gedächtnisprotokoll und werden von der SAWP nicht gebilligt. Was zählt, ist der Advice Letter des CHMP.
Verbindlich ist auch er nicht: Nach Frage 26 bindet der Rat für einen späteren Zulassungsantrag weder Agentur noch Antragsteller. Der Leitfaden sagt im selben Zug, dass bei der Bewertung des Zulassungsantrags berücksichtigt wird, wie eng dem Rat gefolgt wurde, und dass Abweichungen gut begründet sein müssen. Nach der EMA-Übersichtsseite enthält jeder nach dem 1. Januar 2019 abgeschlossene Bewertungsbericht eines zugelassenen Arzneimittels eine Zusammenfassung der Fragen, der Kernpunkte des Rats und die Angabe, ob der Antragsteller ihm gefolgt ist.
Was die EMA nicht beantwortet, steht ebenfalls auf der Übersichtsseite: ATMP-Klassifizierung, PRIME-Eignung, Accelerated Assessment und Compassionate Use laufen in eigenen Verfahren; rein regulatorische Fragen gehören nicht in den Scientific Advice; und die Frage, ob vorhandene Daten für einen Antrag ausreichen, ist eine Frage an das jeweilige Verfahren.
Das Beispiel der Seite trifft die Schnittstelle zur FDA: „Are the non-clinical data adequate to support a first-in-human study?" ist nach der EMA keine Scientific-Advice-Frage, sondern eine Frage des Clinical Trial Application unter nationaler Zuständigkeit. Bei der FDA ist das Design IND-ermöglichender Toxikologiestudien dagegen ein Kernfall für INTERACT. Die Designfrage selbst (welche Modelle, welche Endpunkte) nimmt die EMA als nichtklinischen Aspekt an; die Angemessenheitsfrage nicht.
Was daraus für die Vorbereitung folgt
Die Rechnung beginnt beim Entscheidungspunkt im Projekt und läuft rückwärts. Für ein EOP2-Meeting liegen zwischen Antrag und Termin bis zu 70 Tage, das Package muss 50 Tage vor dem Termin stehen, und die Phase-2-Daten müssen darin zusammengefasst sein; wer den Antrag stellt, bevor die Daten gesichert sind, riskiert nach Abschnitt VI die Ablehnung.
Für eine einzelne Folgefrage nach diesem Meeting ist Type D mit 50 Tagen der schnellere Weg, aber nur, wenn die Frage in zwei Themen und drei Disziplinen passt.
Auf EMA-Seite entscheidet die Planungsphase über die Gesamtdauer. Ein Vorbereitungstreffen kostet rund 25 Tage mehr Vorlauf, bringt aber die List of Comments der Agentur zum Briefing Document, bevor die Uhr läuft. Danach sind 40 Tage der Normalfall ohne Meeting und 70 mit; wer beide Behörden parallel befragen will, findet im Leitfaden den Hinweis, dass Discussion Meetings beim parallelen EMA-FDA-Advice standardmäßig stattfinden.
Auf beiden Seiten ist das Dokument, das der Antragsteller selbst schreibt, die eigentliche Arbeit: bei der FDA die nummerierte Fragenliste mit höchstens zehn Fragen und das nach Agenda geordnete Package, bei der EMA das Briefing Document mit Fragen und vorgeschlagenen Antworten. Was dort fehlt, fehlt im Protokoll, und was im Protokoll fehlt, lässt sich nur binnen 20 Kalendertagen als Klärungsfrage nachholen.
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Berücksichtigte Verordnungen & Normen
- FDA Guidance for Industry: Formal Meetings Between the FDA and Sponsors or Applicants of PDUFA Products, Endfassung August 2026 (CDER/CBER, Procedural), Abschnitte I, III bis XI, Tabellen 1 bis 4, Appendix Tabelle A; Bekanntmachung 91 FR 52305 vom 13. August 2026 (Docket FDA-2017-D-6530)
- PDUFA Reauthorization Performance Goals and Procedures Fiscal Years 2023 Through 2027 (Commitment Letter), zitiert nach den Fußnoten 3, 8, 9 und 11 der Guidance
- 21 CFR 10.75, 312.47, 312.48, 314.101(a)(3), 314.103 sowie 21 CFR Part 312 Subpart E und Part 314 Subpart H, zitiert nach Abschnitt III der Guidance
- Verordnung (EG) Nr. 726/2004, Art. 57 Abs. 1 Buchst. n (Rechtsgrundlage des Scientific Advice), zitiert nach EMA/4260/2001 Rev. 16, Frage 1 und 26
- Verordnung (EG) Nr. 141/2000, Art. 6 (Protocol Assistance für Orphan-Arzneimittel), zitiert nach EMA/4260/2001 Rev. 16, Frage 26
- EMA/4260/2001 Rev. 16: European Medicines Agency Guidance for Applicants seeking scientific advice and protocol assistance, 26. März 2025, Fragen 1, 24, 25, 26
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- FDA, Formal Meetings Between the FDA and Sponsors or Applicants of PDUFA Products, Guidance for Industry, August 2026, Procedural, 24 Seiten; PDF https://www.fda.gov/media/172311/download (MD5 28601a51c677644a73a6d330127d3db3), am 08.10.2026 gelesen
- Federal Register, Vol. 91, No. 155, 13. August 2026, S. 52305 bis 52307, FR Doc. 2026-16452, Formal Meetings Between the Food and Drug Administration and Sponsors or Applicants of Prescription Drug User Fee Act Products; Guidance for Industry; Availability: https://www.federalregister.gov/documents/2026/08/13/2026-16452 , am 08.10.2026 gelesen
- EMA, European Medicines Agency Guidance for Applicants seeking scientific advice and protocol assistance, EMA/4260/2001 Rev. 16, 26. März 2025, 24 Seiten; PDF von ema.europa.eu (MD5 093b6c2e54524dd96d63bed660f54915), am 08.10.2026 gelesen
- EMA, Scientific advice and protocol assistance (Übersichtsseite, Stand 4. September 2026): https://www.ema.europa.eu/en/human-regulatory-overview/research-development/scientific-advice-protocol-assistance , am 08.10.2026 gelesen
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