Ein belastbares Abweichungsmanagement entscheidet sich in den ersten Stunden
nach der Meldung. Am Anfang entscheidet die Triage, ob eine Abweichung
kritisch, schwerwiegend oder geringfügig ist, und damit, wie tief untersucht
und wie schnell geschlossen werden muss.
Wird die Triage übersprungen, läuft jeder Fall durch denselben Prozess;
geringfügige Abweichungen binden dieselbe Investigation-Kapazität wie
kritische, und die Fristen für die kritischen Fälle reißen zuerst.
Erst nach der Triage greift die Root-Cause-Analyse, deren Tiefe nach ICH
Q9(R1) zur Kritikalität passen muss, und erst aus einer belastbaren Ursache
lässt sich eine CAPA ableiten. Wird die Abweichung geschlossen, bevor die
Ursache feststeht, fehlt der CAPA die Grundlage, und der Fall tritt erneut
auf.
Schwierig ist nicht das Erfassen, schwierig ist das Schließen. Hier
entsteht der Backlog überfälliger Deviations, der in Inspektionen nach
EU-GMP Kapitel 1 zum Finding wird und zugleich ein Symptom ist: ein
Qualitätssystem, das mehr Abweichungen erzeugt, als es verarbeiten kann.
Ein wachsender Backlog wird selbst zum Systemsymptom. Deshalb arbeiten wir an
zwei Stellen: Wir bauen den bestehenden Rückstand risikobasiert ab und
richten den laufenden Prozess so aus, dass kein neuer entsteht.
Das aggregierte Trending schließt den Kreis: Es macht wiederkehrende
Ursachen sichtbar, die in der Einzelbetrachtung verborgen bleiben, und
übersetzt das Abweichungsmanagement von der reaktiven Pflichtdokumentation in
die nach EU-GMP Kapitel 1 vorgesehene fortlaufende Verbesserung.
| Merkmal | Deviation | CAPA |
|---|
| Gegenstand | einzelnes Ereignis: Abweichung samt Untersuchung und Ursachenanalyse | daraus abgeleitete Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen |
| Zweck | liefert die Ursache | beseitigt die Ursache, verhindert erneutes Auftreten |